MARIANNE PLETSCHER

    

A better way of dying

what is still posible when nothing is posible anymore

Switzerland 2004, video, colour, 59 min.

  

[Synopsis available only in German:]

DirectorMarianne Pletscher
ScriptMarianne Pletscher
PhotographyWerner Schneider
SoundRoland Arngrip
EditingPamela Myson
Duration59 min.
Sales DVD/Video▶ https://www.cede.ch/de/movies/?view=detail&branch_sub=1001&branch=2&aid=10084088
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Information
Marianne Pletscher
info@mariannepletscher.ch
ProductionSchweizer Fernsehen SRF
World Rightssiehe Telepool
ReleaseSolothurner Filmtage 2003
AwardsKatholischer Medienpreis 2003
EntriesImmer wieder in Kinos der Deutschschweiz, und immer noch in der Krankenpflegeausbildung


 

Press Review

Laudatio von Charles Martig zur Preisverleihung: Der Film plädiert für ein Sterben, das in Würde und ohne Angst geschehen kann. Sehr nahe und doch respektvoll zeigt Marianne Pletscher mit ihrem Team die dichten und emotionalen Szenen von Abschied und Sterben, von Angst und Zuversicht der Menschen angesichts des nahen Todes. Sie zeigt die kompetente und mitfühlende Begleitung durch das Pflegepersonal und den leitenden Arzt im Pflegezentrum des Limmattalspitals in Zürich Schlieren. Ein guter Tod ist möglich, weil sich diese Menschen geborgen fühlen und ernst genommen werden.

Marianne Pletscher ist es gelungen, sich in die Lebens- und Sterbegemeinschaft des Spitals zu integrieren. In dichten Bildern und leisen Tönen zeigt der Film die Gedanken und Wünsche der Sterbenden. Er zeigt die einfühlsame Pflege und die Gespräche des Pflegepersonals mit den Sterbenden und mit ihren Angehörigen. Erstaunlich ist, wie nahe sich das Filmteam an den Personen und den emotional fragilen Situationen bewegt. Marianne Pletscher hat in einem Interview mit Radio kath.ch gesagt: «Wenn jemand stirbt, muss man ganz diskrete Bilder machen. Dabei geschieht vieles über die Gestaltung des Tones.» Der Respekt für die sterbenden Menschen ist hier in die Regie eingegangen. Die Bilder von Kameramann Werner Schneider sind zurückhaltend und sehr ruhig. Tonmeister Roland Arngripp hat für «Besser sterben» sehr stimmige akustische Räume und Klangkompositionen gefunden. Nicht zuletzt ist auch die Montage von Cutterin Pamely Myson sehr rhythmisch – im Sinne eines Largo – gelungen. Eigentlich gilt der Katholische Medienpreis dem ganzen Team dieses filmischen Essays. Doch Sie, Frau Pletscher, haben mit Ihrer langjährigen Erfahrung als Dokumentarfilmerin diese Stimmungen, Begegnungen und Situationen miteinander vereint. Durch ihren Standpunkt, der in jeder Kameraeinstellung spürbar ist, geben Sie den Blick frei auf eine neue Abschiedskultur..

Zum menschenwürdigen Sterben gehört eine einfühlsame Abschiedskultur. Die Würde und die Selbstbestimmung hören auch nach dem Tod nicht auf. In drei Kurzbesuchen beim Fricktaler Bestatter Rico Biaggi zeigt der Film auch, wie Kranke und Angehörige von Verstorbenen ihre Wünsche zum letzten Gang äussern können. Hier sind die Toten in einer Atmosphäre der Trauer aufgebahrt. Sie sind noch eine Zeit lang präsent. Auch im Limmattalspital werden die Toten mit einem Chorgesang und mit eindrücklichen persönlichen Gesten verabschiedet. Sie verlassen in Würde die Spitalgemeinschaft. In hoher Intensität und auch mit Respekt vor den Angehörigen zeigt der Film, wie wichtig Abschiedsrituale sind.

In verschiedenen Filmen haben Sie bereits soziale und religiöse Fragestellungen aufgegriffen. In «WELTTHEATER – wahnwitzige Szenen im Klosterdorf» (2000) haben Sie in einer Koproduktion zwischen SFDRS und ARTE die Tradition des religiösen Theaters in Einsiedeln dargestellt. «Seguir la glüm» (Der lange Weg zum Licht, 1998) ist eine Begleitung der Nonnen von Müstair durch die vier Jahreszeiten. Als Ko-Autorin und Produzentin der Dokusoaps «Kinderspital» (1999) und «Tierspital» (2001) haben Sie sich bereits intensiv mit dem Spitalalltag auseinandergesetzt und dem neuen Format der dokumentarischen Fernsehserie im Schweizer Fernsehen zum Durchbruch verholfen. In bester Erinnerung ist mir auch der eindrückliche ethnographische Film «Das Tal der Frauen» (1994), in dem eine Schweizer Bergbäuerin ein Tal in Bhutan besucht. Hier besitzen die Frauen nach matriarchalischer Tradition die Macht und das Eigentum. Ihr Interesse an sozialen und religiösen Fragen ist in diesen Dokumentarfilmen deutlich spürbar. Beeindruckend ist dabei auch die formale Konsequenz, mit der Sie Themen und Geschichten darstellen.

«Besser sterben» ist – nun als neuster Film vom Februar 2003 – ein starkes Plädoyer für eine neue Kultur des Abschieds, für ein Sichtbarmachen des Todes in unserer Gesellschaft. Die Palliativmedizin und -pflege hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Diese Medizin kann zwar nicht mehr heilen; sie kann aber noch so viel helfen, dass sie zu einer echten Alternative zum Freitod wird. Marianne Pletscher zeigt mit ihrem Film auf, dass wir die Würde der alten und sterbenden Menschen wieder zurück gewinnen können. Und vielleicht ist mit dieser filmischen Erfahrung für uns Zuschauer und Zuschauerinnen auch die leise Ahnung verbunden, dass der Tod den Schrecken des Endgültigen verliert. Die Angst kann dieser Film niemandem nehmen. Aber er versucht, Mut zu machen, dass «besser sterben» möglich ist. Und sogar den direkt Betroffenen im Film hat er Zuversicht gegeben: Paula Bleuler starb eine Woche nach der Zweitausstrahlung des Filmes. Beim Betrachten der Bilder hat sie noch gesagt: «So, jetzt habe ich mich nochmals gesehen, jetzt kann ich gehen». So wirkt der Dokumentarfilm «Besser sterben» heilsam, indem er den Abschied ermöglicht.

Für diese filmische Qualität möchten wir Sie, Frau Pletscher, heute auszeichnen.

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