MARIANNE PLETSCHER


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Behütet ins gemeinsame Boot


Dr. Irene-Bopp-Kistler, Geriaterin und Projektleiterin, zu den Theaterferien:

Kunsttherapie bei demenzerkrankten Menschen ist eine therapeutische Option, welche die Ressourcen und den Selbstwert der Betroffenen fördert. In unserem Projekt wollten wir in der Ferienwoche der Alzheimervereinigung Zürich Erfahrung sammeln mit szenischem Theater bei demenzerkrankten Menschen und  ihren Angehörigen. Die Theatersequenzen standen unter der Regie von Christine Vogt, welche große Erfahrung bezüglich integrativen Theaters mit geistig Behinderten hat. Sie wurde dabei fachlich, aber auch ideell von der Projektleiterin unterstützt.
Um differenziert den emotionalen Wandel der Patienten und ihrer Angehörigen zu dokumentieren, wurde die ganze Ferienwoche von der bekannten Dokumentarfilmerin Marianne Pletscher begleitet.

Methode

Am Morgen wurde mit den Patienten jeweils während etwa 2 Stunden Theater gespielt, am Nachmittag mit den Angehörigen. In der Runde mit den Patienten wurde viel mit dem Thema Hut gearbeitet. Bei den Angehörigen stand die Verarbeitung der eigenen Situation, aber auch das Zurückfinden zur eigenen Person und des eigenen Körpers im Vordergrund.
Im Laufe der Woche rückte das Thema "im gleichen Boot sein" ins Zentrum, die Regisseurin ging dabei laufend auf die Inputs der Beteiligten ein.

Ergebnisse

Da es sich bei diesem Pilotprojekt um ein visionäres Projekt handelt und nicht um eine Studie im engeren Sinn, können die Resultate nur qualitativ ausgewertet werden.
Die Patienten waren fähig, eine ungeahnte Kreativität zu entwickeln, zudem entstand eine erstaunliche Kommunikation. Unruhige Patienten wurden ruhig. Menschen, die unter den eigenen Defiziten leiden, übernahmen Verantwortung. Individuelle Ressourcen und Erinnerungen kamen wieder zum Vorschein (z.B. Klavierspiel, Gesang, Tanz, Begebenheiten aus der Kindheit u.a.). Dass sich die Emotionen veränderten, kann im Film "Behütet ins gemeinsame Boot" eindrücklich gezeigt werden (Premiere Mitte März 2012).
Für die Angehörigen bedeutete das Theater "Loslassen" dürfen. Sie erlebten sich wieder als eigene Person und nicht nur als Partner eines demenzerkrankten Menschen.

Schlussfolgerung

Menschen mit Demenz können als Experten einer eigenen Wirklichkeit ungeahnte Ressourcen zeigen. Auch die Angehörigen können von einer solchen Therapieform mindestens so stark profitieren. Im gemeinsamen Erleben von Patienten und Angehörigen entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und eine neue Paardynamik. Das innovative Projekt soll Mut machen, weitere solche Projekte zu initiieren.

 

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